Die richtigen Mittel für die LehrerInnen

Lehrer fordern mehr "Durchgriffsrechte", das Bundesministerium sowie Eltern und Schüler sind dagegen. Nun können wir natürlich nicht nur schwarz weiß denken, vor allem dann nicht, wenn wir möchten, dass sich die Schule verändert. Und dazu gehört natürlich auch das Schulrecht, das sich verändern muss.

Wir müssen uns darüber im klaren sein, dass wir die Richtung selbst bestimmen, in die wir weitergehen wollen. Einige Lehrer, Lehrervertreter und auch übergeordnete Amtsinhaber verspüren den Leidensdruck, etwas verändern zu müssen, weil die Veränderung der Gesellschaft die Überforderung der Lehrer vergrößert. Es ist in etwa das Gefühl, als ob man sich verlaufen hätte und jetzt wieder zurück gehen möchte, zu dem Ort an dem man sich noch auskannte, an dem man sich noch wohlfühlen konnte. Eine gute Strategie beim Wandern. Rückentwicklung verzögert allerdings die Möglichkeit der Weiterentwicklung, denn die Richtung die wir brauchen ist nicht die der "Konsequenzen", wenn mit Konsequenzen eigentlich die Bestrafung gemeint ist.

Besinnen wir uns auf die Werte die wir den Kindern und Jugendlichen heute vermitteln möchten, so stehen Autonomie, Zivilcourage, Selbständigkeit auf der Liste sehr weit oben. Wie kann man autonomes Handeln von Schülerinnen und Schülern mit jenen Mitteln unterstützen die wir verwendeten um Gehorsam und Unterwürfigkeit zu lehren? Fügen sich Jugendliche einer Bestrafung, so handeln sie nicht autonom, widersetzen sie sich, so handeln nicht so wie es von den Lehrern oder der Gesellschaft gewünscht wird. Wir können das Mittel der Strafe gar nicht benutzen, wenn wir moderne Wertvorstellungen vertreten und unsere Kinder nicht in die Zwickmühle stecken möchten.

Und da ist der Ansatz an dem wir uns nicht mehr Rückentwickeln müssen sondern als Gesellschaft voran schreiten können: Wir ersetzen das Mittel der Strafe durch neue Mittel, die möglicherweise auf dem Prinzip der Präsenz, der Beharrlichkeit und des (gewaltfreien) Widerstandes beruhen. Haim Omer zeigt in seinem Konzept der neuen Autorität, dass Methoden die auf diesen Prinzipien beruhen auch Kinder und Jugendliche mit ganz besonderen Bedürfnissen und Verhaltenweisen dazu verleiten, sich selbständig für eine Zusammenarbeit mit den Eltern und Pädagogen entscheiden (Buchempfehlung). Die antiautoritäre Erziehung ist eine Sackgasse, wie Studien belegen, wir haben daraus gelernt. Die Möglichkeit des Zurück besteht nicht, wir können also nur eines tun: Neue Wege beschreiten. Die richtigen Mittel für Lehrer können nur neue Mittel sein.

Mir gefällt, dass wir das Thema jetzt angehen, es ist ein bisschen als ob wir nach über einem Jahrhundert uns von Altlasten befreien und aufbrechen um unsere Gesellschaft neu zu gestalten. Oder ist das nur mein Wunsch und die Realität sieht ganz anders aus?

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